Wie eine Begegnung in Südtirol zu Jubel in Elgendorf führt

Konzert Ensemble Provoxis und ein Weltmeister bereiten unvergesslichen Abend

Von unserem Mitarbeiter Hans-Peter Metternich

Elgendorf. Da gibt es eine sangesfreudige Männersportgruppe des TSV Elgendorf, einen Besuch auf einer Alpenhütte in Südtirol, eine Begegnung mit netten jungen Leuten, die den Gesang intensiv pflegen, und schon springt der Funke der Sympathie über. Die Sympathiebekundungen münden dann spontan in einer Einladung für den südtiroler Jugendchor Provoxis zu einem Chorkonzert nach Elgendorf. Eine fixe Idee? Bei weitem nicht.

WWZ 2019 09 11

Was dabei herauskam, übertraf alle Erwartungen, selbst die der Gastgeber, die doch wussten, welch chormusikalisches Potenzial in den 15 jungen Leuten um ihre Dirigentin Johanna Dapoz schlummert. Die 250 Zuhörer in der restlos ausverkauften Dorfgemeinschaftshalle waren bereits nach den ersten Akkorden der Gäste völlig aus dem Häuschen. Da spiegelte schon das Auftaktlied „Nette Begegnung“ die freundschaftlichen Bande zwischen den jungen Sängern von Provoxis und den gesetzten Herren der Männersportgruppe im Alter zwischen 55 und 75 Jahren wohlklingend wider.

Wohlklingende Töne können auch die Elgendorfer Sportler intonieren, und sie taten es mit dem textlich modifizierten Song „Steht auf, steht auf“, gleichsam als Vorprogramm in einen unvergesslichen Abend, der nach dem offiziellen Teil noch lange nicht zu Ende war. Die südtiroler Musik-Schmankerl, die bestens mundeten, erfuhren sogar eine „weltmeisterliche Würze“, will heißen, in den Reihen von Provoxis steht der frischgebackene Weltmeister im Spielen der Steirischen Ziehharmonika, Ernest Kostar, der mit tanzenden Fingern ein Feuerwerk russischer Klänge in der Elgendorfer Dorfgemeinschaftshalle entzündete.

Fantastisch war alles, was das Ensemble aus dem südtiroler Gadertal an musikalischen Leckerbissen servierte. Sie bewegten sich in geistlicher Musik ebenso souverän wie im Genre der Gospels und Spirituals oder der Popmusikszene. Die Darbietungen bestachen mit feinsten rhythmischen und dynamischen Nuancen und waren ein Musikgenuss par excellence. Wie ein Amuse-Gueule, ein appetitanregendes, mundgerechtes Häppchen, kamen die drei in ladinischer Sprache (ein romanischer Dialekt, der im Gadertal gesprochen wird) vorgetragenen Lieder daher, darunter „To Amur, Bel Di“, das Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten“ in Erinnerung rief.

Ob geistlich, alpenländisch oder popmusikalisch, was die sympathischen Sänger von Provoxis auch anstimmten, die Zuneigung und helle Begeisterung der Westerwälder Zuhörer, die stürmisch Zugaben forderten, waren ihnen sicher. Und bei den Zugaben zogen die jungen Leute noch einmal so richtig vom Leder, will heißen, sie verabschiedeten sich mit einem gesungenen Schuhplattler, ehe der Weltmeister Ernest Kostar mit seinen rasanten Klängen auf seiner Steirischen Ziehharmonika die „dritte Halbzeit“ des Konzertabends anpfiff. Die hatte, sehr zur Freude der Gastgeber und Gäste, eine Überlänge, die wohl jedem im Saal, der mitfeierte, noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird.

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 11. September 2018

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